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Neustart: Trainingsprogramm zur Bewältigung von problematischem Glücksspiel

Kostenlos, anonym, wissenschaftlich untersucht und begleitet.

CHANGE

Wissenschaftliche Vorstudie

Im Rahmen einer großangelegten Studie unserer Arbeitsgruppe (Bücker, Bierbrodt, Hand, Wittekind & Moritz, 2018; Wittekind, Bierbrodt, Lüdecke, Feist, Hand & Moritz, 2019) wurden mit Hilfe von Selbsthilfeforen, Beratungsstellen und anderer Quellen 265 Menschen mit problematischem Automatenspielverhalten zu einer Wirksamkeitsstudie eingeladen und zufällig einer der folgenden drei Gruppen zugeteilt:

  1. eine Gruppe, welche eine Depressionsbehandlung über das Internet erhielt (das sog. Deprexis® Programm)
  2. eine Gruppe, welche das Trainingsprogramm „Retraining“ zur Reduktion des Spieldrangs erhielt und
  3. eine Kontrollgruppe, die die Maßnahmen erst nach einer Wartezeit erhielt

Das Design nennt man randomisiert-kontrollierte Studie.

Was ist eine randomisiert-kontrollierte Studie?

Randomisiert = Die Zuordnung der Teilnehmer zu den Gruppen erfolgte nach dem Zufallsprinzip, kontrolliert = die Ergebnisse der Studiengruppen werden mit denen der Kontrollgruppe verglichen. Dieses Forschungsdesign erlaubt Erkenntnisse darüber, ob eine eventuelle Verbesserung in der Depressions- bzw. Retraining-Gruppe auf die Maßnahme selbst zurückgeht oder möglicherweise andere Faktoren, z.B. Spontanheilung, widerspiegelt.

Die Studie setzte sich zum Ziel, zu ergründen, ob eine Teilgruppe von Menschen mit Glücksspielproblemen von einem Online-Programm, welches emotionale Probleme adressiert, profitiert bzw. ob eine andere Teilgruppe das Glücksspielverhalten durch das sog. Retraining wieder „verlernen“ kann. Vor und nach der Maßnahme (acht Wochen später) wurde die Symptomatik bestimmt, wobei wir neben etablierten Skalen zur Messung des Glücksspielverhaltens (u.a. Gedanken an Glücksspiel, Häufigkeit von Glücksspiel, finanzielle und soziale Probleme) auch das Ausmaß depressiver Symptome ermittelt haben. Die Erhebung erfolgte anonym über das Internet, da viele Betroffene sich mit ihren Problemen nicht „outen“ wollen bzw. professionelle Hilfe ablehnen („Ich gehöre doch nicht in die Klapse.“, „Ich habe einfach Pech.“).

Die meisten Studienteilnehmer wiesen eine mittelgradige depressive Symptomatik auf und zeigten erhebliche Glücksspielprobleme. Nach Ablauf der acht Wochen konnte in der Gruppe, die das Online-Programm erhalten hatte, erwartungsgemäß eine Reduktion der depressiven Symptomatik gefunden werden. Gleichzeitig nahm auch die Glücksspiel-bezogene problematische Symptomatik überzufällig (d.h. statistisch signifikant) ab (z.B. Häufigkeit der um das Spielen kreisenden Gedanken; der Drang zu spielen). Die Ergebnisse zu diesem Teil der Studie (Online-Programm für emotionale Probleme) wurden im Fachjournal PloS one veröffentlicht (Bücker, Bierbrodt, Hand, Wittekind & Moritz, 2018).

Beim Retraining zeigte sich ebenfalls eine überzufällige Verbesserung des Spielverhaltens gegenüber der Wartekontrollbedingung. Die Studienergebnisse zum Retraining-Programm wurden im Fachjournal Psychiatry Research veröffentlicht (Wittekind, Bierbrodt, Lüdecke, Feist, Hand & Moritz, 2019). Wie wir im Menüpunkt Team unter Finanzierung darstellen, wurde diese Studie von der Automatenwirtschaft gefördert, nachdem öffentliche Geldgeber an der Studie zwar Interesse zeigten aber keine Finanzierung zustande kam.

Das aktuelle Selbsthilfe-Programm baut auf den Erkenntnissen der Vorstudie auf und bietet allen Interessenten eine Inanspruchnahme beider Methoden (Retraining und Online-Behandlungsprogramm „Neustart“), die Sie nach einer Online-Eingangsuntersuchung erhalten.

Publikationen

Bücker, L., Bierbrodt, J., Hand, I., Wittekind C. & Moritz, S. (2018). Effects of a depression-focused internet intervention in slot machine gamblers: A randomized controlled trial. PloS one, 13(6), e0198859.

Wittekind, C. E., Bierbrodt, J., Lüdecke, D., Feist, A., Hand, I., & Moritz, S. (2019). Cognitive bias modification in problem and pathological gambling using a web-based approach-avoidance task: A pilot trial. Psychiatry Research, 272, 171-181.

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